Neue Marienstatue in der Kapelle St. Albertus Magnus

Neue Marienstatue in der Kapelle St. Albertus Magnus

Neue Marienstatue in der Kapelle St. Albertus Magnus

# Alle Pfarrei-Mitteilungen

Neue Marienstatue in der Kapelle St. Albertus Magnus
© Dr. Ursula Ortmann-Droste

Die neue Marienstatue in St. Albertus Magnus, Rangsdorf zeigt die heilige Anna gemeinsam mit ihrer Tochter Maria. Anna hält ein geöffnetes Buch in den Händen, auf das Maria aufmerksam blickt. Die Geste ist schlicht und zugleich aussagekräftig: Anna ist die Lehrerin ihrer Tochter. Das Buch verweist auf die Heilige Schrift, auf das Wort Gottes, das im jüdischen Glauben von Generation zu Generation weitergegeben wird. Maria erscheint dabei nicht als außergewöhnliches Kind, sondern als Hörende und Lernende, die sich dem Wort Gottes anvertraut.

Einen Sohn sollst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.“ (Lk 1,31)

© Dr. Ursula Ortmann-Droste

Die Evangelien selbst berichten nichts über Anna. Ihr Name und ihre Geschichte stammen aus dem Protoevangelium des Jakobus, einer frühchristlichen Schrift des 2. Jahrhunderts. Die Kirche hat Anna dennoch seit den ersten Jahrhunderten verehrt, weil sie in ihr die Mutter Mariens und jene Frau sieht, die ihre Tochter im Glauben Israels erzog und sie mit den Verheißungen Gottes vertraut machte.

Gerade darin liegt die tiefere Aussage dieser Darstellung. Das Buch zwischen Anna und Maria ist weit mehr als ein Zeichen des Unterrichts. Es steht für das Wort Gottes, das die Heilsgeschichte trägt. Anna empfängt die Verheißungen des Alten Bundes und gibt sie an Maria weiter. Maria nimmt dieses Wort auf und lebt aus ihm. Deshalb kann sie später auf den Gruß des Engels antworten:

Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“ (Lk 1,38)

So wird sichtbar, dass Gottes Heil nicht erst mit der Verkündigung beginnt. Es wächst in einer gläubigen Familie heran, die auf Gottes Verheißungen vertraut und sie bewahrt.

Die Statue verweist damit zugleich auf den Gedanken der Erwählung. In der Heiligen Schrift erwählt Gott immer wieder Menschen, um durch sie Heil für viele zu wirken: Abraham, Israel und David stehen für diese Geschichte der göttlichen Berufung. In ihrer Vollendung wird Maria zur Erwählten, die den Sohn Gottes empfangen soll. Wenn der Engel sie als die „Begnadete“ (Lk 1,28) anspricht, zeigt sich, dass Gottes Heilsplan bereits lange zuvor seinen Anfang genommen hat.

Anna nimmt in dieser Heilsgeschichte einen besonderen Platz ein. Sie steht gleichsam an der Schwelle zwischen der Hoffnung Israels und ihrer Erfüllung in Christus. Als Mutter Mariens ist sie die erste Lehrerin derjenigen, die später selbst zur Mutter des menschgewordenen Wortes Gottes wird. In ihrer Sorge um die religiöse Erziehung Mariens wird die Weitergabe des Glaubens von Generation zu Generation sichtbar.

Die Darstellung wird deshalb häufig mit dem Lukasevangelium in Verbindung gebracht. Lukas erzählt ausführlicher als die anderen Evangelisten von der Kindheit Jesu und zeichnet Maria als die Frau, die Gottes Wort hört, bewahrt und im Herzen bewegt (vgl. Lk 2,19). Die Statue lässt diesen Gedanken bereits in der Kindheit Mariens anklingen: Das Hören auf Gottes Wort bereitet sie auf ihre einzigartige Berufung vor.

So ist diese Figurengruppe weit mehr als eine Darstellung von Mutter und Tochter. Sie ist ein Bild der Heilsgeschichte. Anna verkörpert die hoffende Kirche des Alten Bundes, Maria den beginnenden Neuen Bund. Das Buch zwischen beiden verbindet sie: Es ist das Wort Gottes, das von Generation zu Generation weitergegeben wird und in Jesus Christus seine Erfüllung findet. Gerade darin liegt auch die bleibende Aktualität dieser Darstellung. Sie erinnert daran, dass der Glaube nicht nur in Büchern oder im Gottesdienst weitergegeben wird, sondern vor allem im Leben der Familien – durch Eltern und Großeltern, die ihre Erfahrungen, ihr Gebet und ihre Hoffnung mit den Jüngeren teilen.

Papst Franziskus hat diesen Gedanken mit der Einführung des Welttags der Großeltern und der älteren Menschen an jedem vierten Sonntag im Juli besonders hervorgehoben. Er erinnerte daran, dass Großeltern „Hüter der Erinnerung“ sind und dass die Kirche und die Gesellschaft ihrer Erfahrung und ihres Zeugnisses bedürfen. Die heilige Anna erscheint so bis heute als Vorbild aller Großeltern, die den Glauben an die nächste Generation weitergeben.

Text: Pfarrer Krystian Gwizdala, Fotos: Dr. Ursula Ortmann-Droste

Dies könnte Sie auch interessieren